Offener Brief an Herrn Bob Iger, CEO der Walt Disney Company (DEUTSCH)

Sehr geehrter Herr Iger,

als Sie im März 2005 zum Vorstandsvorsitzenden der Walt Disney Company ernannt wurden, stellten die ehemaligen Vorstandsmitglieder Roy E. Disney und Stanley Gold ihre „Save Disney“ Kampagne vor. Diese Kampagne wurde ins Leben gerufen, um das Streben nach Exzellenz wieder herzustellen, dass das Unternehmen immer ausgemacht hat und das ein Wert ist, der die Arbeit der Walt Disney Company seit Walt’s Gründung gekennzeichnet hat. Dank Ihren Bemühungen ist die Walt Disney Company zurzeit erfolgreicher als je zuvor. Dies ist vor allem auf einige große und wichtige Ereignisse zurückzuführen:

  • Der Erwerb von Pixar (2006)

  • Die Wiederherstellung des Disney Animation Studios

  • Der massive Umbau und die Erweiterung des Disney California Adventure Parks (2008-2012)

  • Der Erwerb von Marvel Entertainment (2009)

  • Der Spatenstich für das Disneyland Shanghai (2011)

  • Die Disneyland Hongkong Expansion (2011-2013)

  • Der Erwerb von Lucasfilm (2012)

Diese großen Investitionen – einige zur Rettung der Parks, wie z.B. die Erweiterungen von Disney California Adventure und Disneyland Hongkong – erlauben Ihnen, Teile des Unternehmens, die in schlechtem Zustand waren in Ordnung zu bringen. All diese wichtigen Ereignisse haben eines gemeinsam: Produktqualität oder Erfahrungsqualität. Wie Ihr Freund und Kollege John Lasseter einmal sagte: „Qualität ist der beste Business-Plan“. 

Leider haben die jüngsten Entwicklungen die Qualität eines der weltweit schönsten Parks, Disneyland Paris, ernsthaft beschädigt. Wir möchten diese Gelegenheit nutzen und unsere aufrichtige Besorgnis über den aktuellen Stand dieses wichtigen europäischen Standortes ausdrücken. Den Park, den wir lieben gelernt haben und den Park, den wir nicht verkommen sehen wollen. Disneyland Paris öffnete 1992 seine Pforten und war wahrhaftig Disneys größte Leistung bisher, der Park war ein technisches und künstlerisches Wunder. Gerade die hohe Qualität der Shows, Fahrgeschäfte und die thematische Gestaltung des Parks haben nachweislich den Erfolg in Europa beeinflusst und das Erlebnis war mindestens vergleichbar, wenn nicht sogar besser als im Disneyland in Kalifornien, oder im Walt Disney World. Aufgrund ständiger finanzieller Probleme hat sich die allgemeine Qualität im Laufe der Jahre jedoch verschlechtert. Die vielen Haushaltskürzungen, bezogen auf Wartung, Entertainment und Verpflegung haben das Resort in einen inakzeptablen Zustand versetzt. Dieses Jahr hat die Qualität abermals leiden müssen. In 2013 wird der erste Sommer seit der Öffnung sein, in dem nicht eine einzige Bühnenshow zu sehen sein wird. Wahrscheinlich sogar das erste Mal in der Geschichte der Disney Parks weltweit. Obwohl Beispiele aussagekräftiger sind, wird dieser Brief keine Auflistung all jener Dinge enthalten, die besser gemacht werden können. Stattdessen wollen wir die größten Probleme Ihres europäischen Resorts aus der Perspektive des Gastes in den nachfolgenden vier Kategorien ansprechen:

 

1. Wartung

Der Instandhaltung des Parks insgesamt, der Attraktionen und der Hotels wurde in den letzten 20 Jahren viel zu oft und viel zu lange vernachlässigt. Aus diesem Grund befindet sich der Park in einem Disney-unwürdigen Zustand. Viele thematische Gestaltungselemente zerfallen oder bröckeln und andere fallen buchstäblich auseinander. Positiv zu vermerken ist ein umfangreiches Sanierungsprogramm, das seit einigen Jahren versucht viele der kaputten, veralteten oder beschädigten Attraktionen, Effekte und Gestaltungselemente zu beheben. Ein Zeichen, dass das Management des Disneyland Paris von den Mängeln Notiz nimmt. Allerdings wird nur die Spitze des Eisberges behoben. Die vielen Jahre der Vernachlässigung haben ihren Tribut gezollt. Die Kosten für die Instandsetzung sind heute höher, als sie es gewesen wären, hätte man das Problem früher gelöst. 

 

2. Haushaltskürzungen

Die „Tarzan Encounter“ Show im Chaparral Theater, der „Lion King“ im Videopolis, die kultige Parade „Fantillusion!“: alle wurden sie für dieses Jahr abgesagt. Andere Bühnen, wie z.B. Castle Stage stehen bereits seit mehreren Jahren leer. Als wäre das nicht genug, haben einige Attraktionen sowie zahlreiche Restaurants und Shops nur noch eingeschränkte Öffnungszeiten, 11 – 18h, trotz Parköffnungszeiten von 09 – 23h. Dazu kommt, dass die bereits angesprochene unzureichende Wartung zusätzlich die Kapazität einiger Attraktionen einschränkt. Seit vielen Jahren fährt nur eines von zwei der verfügbaren Bote des „Thunder Meza Riverboat Landing“, in Betrieb von 11 – 18h, und auch ein paar Achterbahnen arbeiten mit weniger Wagen. Zusammengenommen schaffen die unzureichende Instandhaltung, als auch die Haushaltskürzungen einen nie endenden Kreislauf von Betriebsstörungen, öfter als Norm sein sollte und viel zu oft über den Zeitraum eines halben Tages. Betroffen sind dabei alle Fahrgeschäfte, von den kleinsten bis zu den größten. Diese Betriebsstörungen und die abnehmende Kapazität der Fahrgeschäfte lassen das Disneyland Paris immer überfüllt wirken, gerade weil der Park auch von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen anzieht, 16 Millionen in 2012. Das Ergebnis für den Gast ist ein ständiges Gehetze zwischen geöffneten und nicht geöffneten Attraktionen.

 

3. Essen

Die Auswahl an Speisen im Resort ist vielfältig, aber nicht ansatzweise so qualitativ, als die angebotenen Gerichte in den amerikanischen Parks. Die Mehrheit der Restaurants bietet entweder Fastfood mit Thekenservice oder All-you-can-eat Buffets. Es bleibt nur eine kleine Handvoll Restaurants mit Bedienung. Zwar waren zur Öffnung des Parks mehr vorhanden, diese wurden aber nach und nach in Restaurants mit Thekenservice umgewandelt, wie z.B. der Exlorer’s Club, heute eine standardisierte Pizzeria, Colonel Hathi’s Pizza Outpost. Leider hat in den letzten Jahren zudem die Qualität der Restaurants stetig abgenommen. Industriell vorgekochte Gerichte kommen innerhalb kurzer Zeit auf den Teller – ein Zeichen dafür, dass die Gerichte nicht auf Bestellung gekocht werden. Die Fastfood-Restaurants im Park können nicht mithalten mit den besser bekannten Alternativen, wie z.B. McDonald’s, nur eine Fußwegentfernung entfernt im Disney Village. Was allerdings bedenklicher ist, als das wenig qualitative Essen zu horrenden Preisen sind die Öffnungszeiten einiger Restaurants. Wenn der Park um 23h schließt, sollte man doch meinen können noch ein leckeres Abendessen zu sich nehmen zu können und nicht vor geschlossenen Restaurants zu stehen, die bereits um 19:30h  geschlossen haben. Die kurzen Öffnungszeiten führen dazu, dass auch Reservierungen frühzeitig gemacht werden müssen oder auf die Fastfood-Restaurants im Park oder im Disney Village ausgewichen werden muss.

 

4. Walt Disney Studios Park

Ist es noch notwendig, die Probleme aufzuzählen, die sich im Walt Disney Studios Park über die Jahre angesammelt haben, dem einzigen Park, eröffnet ohne einen „Disney Dark Ride“; ein Park der seine Identität noch finden muss; kurz: ein Park der nie die Disney Qualität erreicht hat? Das Fehlen von Attraktionen, die ungepflegte Umgebung, die undefinierte thematische Gestaltung, der schlechte Plan, der willkürliche Stil und die fehlende Kapazität der neuen Attraktionen… Dieser Park braucht eine richtige Umgestaltung und eine tiefe Reflektion seiner thematischen Gestaltung, um es auf das Qualitätslevel zu bringen, für das Ihr Unternehmen steht.

 

Weiterhin gibt es auch noch viel Arbeit mit dem alternden Disney Village, dem mittelmäßigen Merchandising und dem Fehlen von Vielfalt, sowie den überholten Disney Hotels, die nur schlechten Service zur extrem hohen Preisen bieten.

Mr. Iger, wie viele Betriebsstörungen, geschlossene Attraktionen, schlechte Erlebnisse und unglückliche Gäste braucht es noch, damit die Walt Disney Company endlich eingreift? Wir verstehe nicht, warum trotz all dieser schmerzlichen, von Verlust, sowie schlechtem Image geprägten Jahre, die Walt Disney Company (Eigentümer von 40% der EuroDisney S.C.A.) immer noch nichts getan hat, um die Struktur von EuroDisney’s Finanzstruktur zu ändern. Diese wurde von der Walt Disney Company geschaffen und hat Disneyland Paris immer schon darin beschränkt, ein wahrhaft erfolgreiches Unternehmen zu werden, ohne Schulden. Immerhin ist Disneyland Paris in Europa für Millionen von Menschen das Aushängeschild von Disney und es scheint, als sei Ihr Unternehmen damit in Ordnung, dass das Markenimage angeschlagen ist, durch konstanten Zerfall und doch horrende Preise und damit durch schlechtes Unterhaltungserlebnis für über 740 Millionen Europäer. Wir können nicht glauben, dass Disney seine Gäste absichtlich mit schlechten Erinnerungen nach Hause schickt.

Natürlich gibt es auch positive Nachrichten in Marné-la-Vallée. Das Design ist atemberaubend, Cast Members sind freundlich, die nächtliche Entertainmentshow „Disney Dreams!“ überwältigend und die, letztes Jahr gestartete, Wiederaufnahme der Halloween- und Weihnachtssaison sieht vielversprechend aus. Leider werden diese positiven Seiten jedoch von dem kläglichen Management überschattet.

Lieber Mr. Iger, wir bitten Sie einen genauen Blick auf das Budget für das Disneyland Paris zu werfen. Wir bitten Sie, den schönsten Disneypark, der je von den Imagineers gebaut wurde, von der Nachlässigkeit zu befreien und den Boden zu ebnen für Wachstum, sowie Investitionen und Millionen von Menschen einen Ort des Vergnügen zu geben, in dem man die Magie Disneys spürt. Das bedeutet die Wiederherstellung der Gourmetqualität, die Wiederbelebung der Showbühnen und der Atmosphäre auf den Straßen, dem Park die Möglichkeit geben kaputte Effekte wieder zu reparieren, sowie natürlich auch die thematischen Gestaltungen, ein Umdenken bezüglich des zweiten Tores und neue Fahrgeschäfte zu eröffnen, sowohl im Walt Disney Studios Park, als auch im Disneyland Park. Keine Flicken, kein schnelles Richten, sondern langhaltige Lösungen für Probleme, die unseren Park seit Beginn an begleiten.

Walt Disney hat einmal gesagt, dass Disneyland solange nicht vollendet ist, solange Vorstellungskraft in der Welt vorhanden ist. Wir bitten Sie diese Vorstellungskraft wieder nach Europa zu bringen, Mr. Iger. Nachdem sie seit 2005 bereits erfolgreich Disney gerettet haben, inklusive der Rettungsprogramme für das Disney California Adventure und das Hong Kong Disneyland, sind wir nun auf Sie angewiesen, was die Rettung unseres Disneyland Paris angeht.

Viele Grüße,

 

#SaveDisneylandParis

 

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